KI-Weiterbildung: BAFA-Förderung und weitere Zuschüsse nutzen

Marco Heer
27. Januar 2026
11 Min. Lesezeit
KI-Weiterbildung: BAFA-Förderung und weitere Zuschüsse nutzen

KI-Weiterbildung: BAFA-Förderung und weitere Zuschüsse nutzen

KI-Weiterbildung mit Förderung bezeichnet die Möglichkeit, Schulungen und Trainings im Bereich künstliche Intelligenz durch staatliche Zuschüsse finanzieren zu lassen. In Deutschland existieren mehrere Förderprogramme, die bis zu 80 % der Schulungskosten übernehmen – von der BAFA-Förderung über Bildungsgutscheine bis zu Länderprogrammen. In unserer Academy informieren wir Sie über alle förderfähigen Weiterbildungsangebote im KI-Bereich.

Warum KI-Weiterbildung jetzt gefördert wird

Die Bundesregierung hat erkannt, dass die KI-Kompetenz in deutschen Unternehmen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor ist. Die Zahlen sprechen für sich:

  • 83 % der deutschen Unternehmen sehen KI als relevant für ihre Zukunft, aber nur 15 % haben entsprechende Kompetenzen im Haus (Quelle: Bitkom e.V.)
  • 42 Milliarden Euro investiert die Bundesregierung bis 2028 in die Digitalisierung
  • Fachkräftemangel: Über 150.000 unbesetzte IT-Stellen in Deutschland

Laut Synclaro nutzen bisher weniger als 20 % der förderfähigen Unternehmen die vorhandenen Zuschüsse – oft aus Unkenntnis der Programme oder Angst vor dem Bürokratieaufwand. Dieser Guide räumt damit auf.

Die wichtigsten Förderprogramme im Überblick

1. BAFA-Förderung: „go-digital" und Nachfolgeprogramme

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bietet mehrere Förderprogramme, die KI-Weiterbildung einschließen:

Förderprogramm „go-digital" (Nachfolger: „Mittelstand Digital")

  • Förderquote: Bis zu 50 % der Beratungs- und Schulungskosten
  • Maximaler Zuschuss: 16.500 Euro
  • Berechtigt: KMU mit weniger als 100 Mitarbeitern und max. 20 Mio. Euro Jahresumsatz
  • Laufzeit: Max. 6 Monate Beratungs- und Umsetzungsphase
  • Module: Digitalisierte Geschäftsprozesse, Digitale Markterschließung, IT-Sicherheit

So beantragen Sie die BAFA-Förderung:

  1. Berechtigungsprüfung: Erfüllt Ihr Unternehmen die Größenkriterien?
  2. Autorisierten Berater finden: Nur BAFA-autorisierte Beratungsunternehmen dürfen die Förderung beantragen
  3. Beratungsvertrag abschließen: Vor Projektbeginn
  4. Antragstellung durch den Berater: Online über das BAFA-Portal
  5. Bewilligung abwarten: Erst nach Bewilligung beginnen
  6. Durchführung und Dokumentation: Schulung durchführen, Nachweise sammeln
  7. Verwendungsnachweis einreichen: Innerhalb von 3 Monaten nach Abschluss

2. Qualifizierungschancengesetz (Agentur für Arbeit)

Das Qualifizierungschancengesetz ist eines der großzügigsten Programme für KI-Weiterbildung:

  • Förderquote: Bis zu 100 % der Weiterbildungskosten + Lohnkostenzuschuss
  • Staffelung nach Unternehmensgröße:
Unternehmensgröße Weiterbildungskosten Lohnkostenzuschuss
Unter 10 Mitarbeiter Bis zu 100 % Bis zu 75 %
10–249 Mitarbeiter Bis zu 50 % Bis zu 50 %
250–2.499 Mitarbeiter Bis zu 25 % Bis zu 25 %
Ab 2.500 Mitarbeiter Bis zu 15 % Bis zu 15 %

Voraussetzungen:

  • Weiterbildung dauert mindestens 120 Stunden
  • Zertifizierter Bildungsträger (AZAV-Zertifizierung)
  • Beratungsgespräch mit der Agentur für Arbeit
  • Weiterbildung vermittelt Kenntnisse, die über arbeitsplatzbezogene Anpassungen hinausgehen

3. Bildungsgutschein

Für Arbeitnehmer, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind oder sich beruflich neu orientieren möchten:

  • Förderquote: Bis zu 100 % der Kurs- und Prüfungskosten
  • Zusätzlich: Fahrtkosten, Kinderbetreuung, Lebensunterhalt
  • Voraussetzung: Beratungsgespräch mit der Agentur für Arbeit
  • Dauer: Je nach Maßnahme, von Wochen bis zu 2 Jahren

4. Länderspezifische Förderprogramme

Zusätzlich zu den Bundesprogrammen bieten die Länder eigene Förderungen:

Bayern: Digitalbonus

  • Bis zu 50.000 Euro Zuschuss (50 % der Kosten)
  • Für KMU mit Sitz in Bayern

NRW: MID-Digitalisierung

  • Bis zu 15.000 Euro Zuschuss
  • Potenzialanalyse und Umsetzungsbegleitung

Baden-Württemberg: Digitalisierungsprämie

  • Bis zu 10.000 Euro als zinsgünstiges Darlehen mit Tilgungszuschuss

Sachsen: E-Business-Förderung

  • Bis zu 50 % der Kosten, max. 50.000 Euro

Hamburg: InnoRampUp / IFB Digitalisierung

  • Individuelle Förderung für Hamburger Unternehmen

5. EU-Förderprogramme

Horizont Europa / Digital Europe Programme

  • Für grenzüberschreitende KI-Projekte und -Schulungen
  • Förderquoten bis zu 100 %
  • Eher für größere Projekte und Konsortien geeignet

Europäischer Sozialfonds (ESF+)

  • Kofinanziert viele nationale Weiterbildungsprogramme
  • Indirekt über nationale Förderstellen zugänglich

Welche KI-Weiterbildungen werden gefördert?

Förderfähige Schulungsthemen

Die meisten Programme fördern Weiterbildungen in diesen KI-Bereichen:

  • KI-Grundlagen: Einführung in maschinelles Lernen, neuronale Netze, NLP
  • KI-Anwendung: Einsatz von KI-Tools in Marketing, Vertrieb, HR, Produktion
  • KI-Programmierung: Python, TensorFlow, PyTorch, Datenanalyse
  • KI-Strategie: KI-Roadmap, Use-Case-Identifikation, Change Management
  • KI-Management: Projektleitung für KI-Implementierungen, Ethik und Governance
  • Automatisierung: Prozessautomatisierung mit KI, RPA, Workflow-Optimierung

Wenn Sie sich für den Karriereweg des KI-Managers interessieren, finden Sie Details in unserem Artikel KI-Manager werden.

Zertifizierte Weiterbildungsanbieter

Für die Förderung über die Agentur für Arbeit benötigen Sie AZAV-zertifizierte Anbieter. Relevante Anbieter im KI-Bereich sind:

  • IHK-Bildungszentren: KI-Grundlagen und Anwendung
  • Fraunhofer Academy: Forschungsnahe KI-Weiterbildung
  • Bitkom Akademie: Praxisorientierte KI-Kurse
  • Universität und Hochschulen: Zertifikatskurse und Weiterbildungsstudiengänge
  • Private Bildungsträger: WBS Training, GFN, Comcave College u.a.

Schritt-für-Schritt: So beantragen Sie Ihre Förderung

Phase 1: Orientierung (1–2 Wochen)

  1. Bedarf ermitteln: Welche KI-Kompetenzen fehlen in Ihrem Unternehmen?
  2. Programme prüfen: Welche Förderung passt zu Ihrer Unternehmensgröße und Situation?
  3. Budget kalkulieren: Wie hoch sind die Gesamtkosten, wie hoch der Eigenanteil?

Phase 2: Beratung (1–2 Wochen)

  1. Erstberatung Agentur für Arbeit: Für das Qualifizierungschancengesetz – kostenlose Beratung zum Anspruch
  2. BAFA-Berater kontaktieren: Für go-digital – autorisierten Berater aus der BAFA-Datenbank auswählen
  3. Länderprogramme prüfen: Wirtschaftsförderung Ihres Bundeslandes kontaktieren

Phase 3: Antragstellung (2–4 Wochen)

  1. Unterlagen zusammenstellen: Handelsregisterauszug, Jahresabschluss, Mitarbeiterzahlen, Weiterbildungsplan
  2. Antrag einreichen: Je nach Programm online oder über den Berater
  3. Bewilligung abwarten: WICHTIG – Starten Sie die Weiterbildung NICHT vor der Bewilligung

Phase 4: Durchführung

  1. Weiterbildung durchführen: Wie geplant und dokumentiert
  2. Nachweise sammeln: Teilnahmebestätigungen, Rechnungen, Zertifikate
  3. Verwendungsnachweis einreichen: Fristgerecht nach Abschluss

Praxisbeispiel: KI-Weiterbildung für ein 25-Personen-Unternehmen

Ausgangssituation: Ein mittelständisches Unternehmen mit 25 Mitarbeitern möchte 8 Mitarbeiter in KI-Anwendung schulen.

Schulungsplan:

  • KI-Grundlagen-Workshop (2 Tage): 2.400 Euro
  • KI-Tools für Marketing (1 Tag): 1.200 Euro
  • KI-Automatisierung (2 Tage): 2.400 Euro
  • Individuelles Coaching (10 Stunden): 2.500 Euro

Gesamtkosten: 8.500 Euro

Förderung über Qualifizierungschancengesetz:

  • 50 % Weiterbildungskosten: 4.250 Euro Zuschuss
  • 50 % Lohnkostenzuschuss für Schulungstage: ca. 6.000 Euro
  • Gesamtförderung: ca. 10.250 Euro – mehr als die reinen Schulungskosten

Eigenanteil: 4.250 Euro für die Schulung (Lohnkosten werden zur Hälfte erstattet)

Typische Fehler bei der Förderbeantragung

1. Zu spät anfangen

Viele Programme haben Vorlaufzeiten von 4–8 Wochen. Beginnen Sie die Antragstellung frühzeitig.

2. Vor Bewilligung starten

Der häufigste Fehler: Die Weiterbildung beginnt, bevor der Förderbescheid vorliegt. Das kann zum vollständigen Verlust der Förderung führen.

3. Falsche Unternehmenskennzahlen

Achten Sie auf die exakten Definitionen: „Mitarbeiter" kann Vollzeitäquivalente oder Köpfe bedeuten. „Jahresumsatz" bezieht sich auf den letzten abgeschlossenen Geschäftsjahresabschluss.

4. Nicht-förderfähige Anbieter wählen

Für das Qualifizierungschancengesetz benötigen Sie AZAV-zertifizierte Bildungsträger. Prüfen Sie die Zertifizierung vor Vertragsabschluss.

5. Dokumentation vernachlässigen

Führen Sie von Beginn an eine lückenlose Dokumentation: Anwesenheitslisten, Lernfortschritte, Zertifikate, Rechnungen.

KI-Beratung als förderfähige Leistung

Neben reinen Schulungen ist auch KI-Beratung förderfähig. Das umfasst:

  • KI-Potenzialanalyse: Identifikation von KI-Use-Cases in Ihrem Unternehmen
  • KI-Strategie: Entwicklung einer Implementierungsroadmap
  • KI-Prozessberatung: Optimierung bestehender Prozesse mit KI

Mehr zur KI-Beratung für Ihr Unternehmen erfahren Sie auf unserer Beratungsseite.

Fazit: Förderung nutzen lohnt sich

KI-Weiterbildung muss nicht teuer sein. Mit den richtigen Förderprogrammen reduzieren Sie Ihre Investition auf einen Bruchteil der Gesamtkosten – bei manchen Programmen sogar auf null. Der Schlüssel liegt in der frühzeitigen Information und sorgfältigen Antragstellung.

Der erste Schritt ist der einfachste: Prüfen Sie Ihre Förderfähigkeit. Ein 15-minütiges Telefonat mit der Agentur für Arbeit oder dem zuständigen Wirtschaftsförderinstitut Ihres Bundeslandes kann Ihnen Tausende Euro sparen.


Nächste Schritte: Ihre geförderte KI-Weiterbildung planen

Wir unterstützen Sie bei der Identifikation der passenden Förderprogramme und der Antragstellung. Besuchen Sie unser kostenloses Webinar zum Thema KI-Einführung für Unternehmen.

Oder vereinbaren Sie direkt ein Beratungsgespräch – wir prüfen Ihre Fördermöglichkeiten gemeinsam: Termin vereinbaren.

Häufige Fragen

Marco Heer

Über den Autor

Marco Heer

Ex-Cisco Network Engineer (CCNP) mit 10+ Jahren IT-Erfahrung. Marco ist Gründer von Synclaro und hilft Selbstständigen und KMU, KI strategisch einzusetzen und Prozesse zu automatisieren.

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