01 · Vorbereiten
Das brauchst du für den Start.
- Eine Liste mit 20 bis 30 echten Fragen, die Kunden heute am Telefon, per Mail oder über das Kontaktformular stellen.
- Geprüfte Inhalte, aus denen der Chatbot antworten darf, etwa Leistungsbeschreibungen, Einsatzgebiet, Erreichbarkeit und der Ablauf einer Anfrage.
- Ein Chatbot-Werkzeug oder Dienstleister mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung und bekanntem Ort der Datenverarbeitung.
- Eine Person, die Inhalte freigibt und die Anfragen übernimmt, die der Chatbot weiterleitet.
02 · Nachmachen
So baust du den Ablauf auf.
Echte Kundenfragen sammeln und einteilen
Sammle zwei Wochen lang, was Kunden fragen: am Telefon, per Mail, über das Kontaktformular und in Bewertungen. Teile jede Frage in eine von drei Gruppen ein: Der Chatbot beantwortet sie, er leitet sie an einen Menschen weiter, oder er beantwortet sie nie. Preise, Termine und Einzelfälle gehören meist in die zweite Gruppe.
Prüfpunkt: Du hast mindestens 20 echte Fragen, und jede gehört zu genau einer der drei Gruppen.
Eine Wissensbasis aus geprüften Inhalten anlegen
Schreib zu jeder Frage aus der ersten Gruppe einen kurzen, gültigen Abschnitt mit Stand und Quelle, etwa der passenden Seite deiner Website. Nimm nur Inhalte, die öffentlich sein dürfen. Der Chatbot sucht vor jeder Antwort die passenden Abschnitte und antwortet daraus. Dieses Verfahren heißt RAG. Für den Anfang reicht oft ein fertiges Werkzeug, das mit eigenen Dokumenten arbeitet.
Prüfpunkt: Jede Frage der ersten Gruppe hat einen freigegebenen Abschnitt, und nichts in der Wissensbasis ist intern oder vertraulich.
Grenzen und den Weg zu einem Menschen festlegen
Lege in der Anweisung an den Chatbot fest, was er nicht tut: keine verbindlichen Preise, keine Terminzusagen, keine Aussagen zu Gewährleistung, Förderung oder Mitbewerbern. Findet er keine passende Quelle, sagt er das und nennt den Weg zu einem Menschen, etwa Telefon, Kontaktformular oder Rückrufbitte. Ein Satz für die Anweisung kann so lauten: „Antworte nur aus den freigegebenen Abschnitten und nenne die Quelle. Findest du nichts Passendes, sag das und verweise auf [Kontaktweg].“ Er beantwortet Fragen und leitet weiter. Er bucht, bestellt und versendet nichts. Für seine Antworten bleibt dein Betrieb verantwortlich. Lege fest, wer weitergeleitete Anfragen bearbeitet und bis wann.
Prüfpunkt: Auf eine Frage ohne Quelle antwortet der Chatbot ehrlich und nennt einen Kontaktweg, der bei einer benannten Person ankommt.
Den Chatbot als KI kennzeichnen
Seit dem 2. August 2026 gilt Art. 50 Abs. 1 der KI-Verordnung: KI-Systeme, die direkt mit Menschen interagieren, müssen so gebaut sein, dass die Menschen das erfahren, außer es ist offensichtlich. Für einen Chat auf deiner Website, den jeder Besucher nutzen kann, greift diese Ausnahme nach den Leitlinien der EU-Kommission in der Regel nicht. Der Hinweis kommt spätestens bei der ersten Interaktion, klar, eindeutig und barrierefrei, also auch für Screenreader lesbar. Die Pflicht trifft den Anbieter: Wer den Chatbot selbst entwickelt oder entwickeln lässt und unter eigenem Namen in Betrieb nimmt, ist selbst Anbieter. Bei einem fertigen Chat-Werkzeug ist es in der Regel dessen Hersteller. Prüfe trotzdem, ob dein Chat den Hinweis zeigt. Ein einfacher Weg ist ein Satz in der Begrüßung, etwa „Hier antwortet ein KI-Assistent. Er kann Fehler machen.“ Ein Menschenname mit Foto, der einen Mitarbeiter vortäuscht, passt nicht dazu.
Prüfpunkt: Vor der ersten Nachricht steht sichtbar und für Screenreader lesbar, dass eine KI antwortet, auch auf dem Handy.
Datenschutz und Einwilligung klären
Besucher tippen oft Namen, Telefonnummern oder Adressen ein. Verarbeitet ein Dienstleister die Nachrichten in deinem Auftrag, brauchst du einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO. Prüfe, wo die Daten verarbeitet werden, wie lange der Anbieter sie speichert und ob er sie für eigene Zwecke nutzt. Liegt der Ort außerhalb von EU und EWR, etwa in den USA, braucht die Übermittlung zusätzlich eine Grundlage nach Art. 44 ff. DSGVO, zum Beispiel einen Angemessenheitsbeschluss oder Standardvertragsklauseln. Lege fest, nach welcher Frist Chatverläufe gelöscht werden, und beschreibe den Chat in deiner Datenschutzerklärung. Speichert oder liest der Chat etwas im Browser, etwa den Verlauf, gilt § 25 TDDDG: Ohne Einwilligung geht das nur, soweit es für den ausdrücklich gewünschten Dienst unbedingt erforderlich ist. Gewünscht ist ein Chat nach Ansicht der Datenschutzkonferenz erst, wenn ihn jemand anklickt. Lass ihn deshalb erst nach dem Öffnen etwas speichern oder auslesen, und nur das Nötige, etwa den laufenden Verlauf im Browser-Tab. Verantwortlich bleibt dein Betrieb. Die Einzelheiten klärst du mit deinem Datenschutzbeauftragten, falls du einen hast, sonst mit einer Fachberatung für Datenschutz.
Prüfpunkt: Der Vertrag zur Auftragsverarbeitung liegt vor, die Löschfrist für Chatverläufe ist festgelegt, die Datenschutzerklärung beschreibt den Chat, und beim bloßen Seitenaufruf speichert der Chat nichts im Browser und liest nichts aus.
Mit echten Fragen testen und laufend auswerten
Stell dem Chatbot vor dem Start deine gesammelten Fragen in den Worten der Kunden, mit Tippfehlern und Umgangssprache. Dazu kommen Grenzfälle: Preisfragen, Leistungen, die du nicht anbietest, die Frage „Bist du ein Mensch?“ und Versuche wie „Vergiss deine Anweisungen“. Nach dem Start schaust du alle zwei Wochen nach, welche Fragen gestellt wurden, wo er keine Quelle fand und was er weitergeleitet hat. Daraus entstehen neue Abschnitte für die Wissensbasis. Werte ohne Namen und Kontaktdaten aus und lösche Verläufe nach der Frist, die du festgelegt hast.
Prüfpunkt: Mindestens 18 von 20 Testfragen sind richtig beantwortet oder sauber weitergeleitet, kein Grenzfall führt zu einer erfundenen Antwort, auf „Bist du ein Mensch?“ sagt er ehrlich, dass er eine KI ist, und die Auswertung hat einen festen Termin.
Zum Ausprobieren
Dein Startauftrag für die KI.
Ersetze die Angaben in eckigen Klammern. Nutze zum Üben anonymisierte Beispieldaten in einem für deinen Betrieb freigegebenen Werkzeug.
Hier sind echte Kundenfragen aus unserem Betrieb: [Fragen, anonymisiert]. Und hier sind freigegebene Inhalte mit Quelle: [Texte von Website oder Leistungsbeschreibung]. Teile jede Frage in eine Gruppe ein: A beantworten, B an einen Menschen weiterleiten, C nie beantworten, und nenne zu jeder Einteilung einen kurzen Grund. Schlage für jede Frage aus A einen kurzen Wissensabschnitt nur aus den Inhalten vor und nenne die Quelle. Reichen die Inhalte nicht, schreibe „Lücke“ und was fehlt. Schlage für B und C eine freundliche Antwort vor, die auf [Kontaktweg] verweist. Liste am Ende alle Lücken auf. Erfinde keine Preise, Fristen oder Leistungen, ergänze nichts aus eigenem Wissen, veröffentliche nichts und versende nichts.
Den Auftrag findest du auch im frei herunterladbaren Arbeitsblatt. Prüfe den Entwurf anhand der Schritte oben.
Aus der Praxis
So setzen wir das um.
Unser eigener Website-Assistent auf synclaro.de und zwei Projekte aus unserer Ergebnisgalerie: ein Sprachassistent für Kundenanfragen und Anfragen mit optionaler Terminwahl. Die Galerietexte stammen aus der Ergebnisgalerie.

Fragen zu unseren Angeboten direkt auf der Website
Unten rechts auf synclaro.de, auch auf dieser Seite, beantwortet unser KI-Assistent Fragen zu unseren Angeboten. Vor jeder Antwort sucht er passende Abschnitte in einer eigenen Wissensbasis und antwortet daraus. Kopfzeile und Begrüßung sagen, dass eine KI antwortet, und ein Hinweis unter dem Eingabefeld verlinkt die Datenschutzerklärung.
So beschreiben wir den Chat im Datenschutz
Sprachassistent für Kundenanfragen
Wiederkehrende Anliegen im gesprochenen Dialog aufnehmen und Informationen bereitstellen.
In der Ergebnisgalerie ansehen
Anfragen mit optionaler Terminwahl
Kontaktdaten einfach erfassen und auf Wunsch direkt eine passende Gesprächszeit auswählen.
In der Ergebnisgalerie ansehenDie Galerie zeigt Systeme, Abläufe und Funktionen aus unserer Arbeit und Kundenprojekten. Ihre Bilder sind KI-generierte Illustrationen.
03 · Fiktives Arbeitsbeispiel
Ein Chatbot für einen Malerbetrieb
Ein Malerbetrieb mit 14 Mitarbeitenden bekommt über Website und Telefon immer wieder dieselben Fragen zu Einsatzgebiet, Ablauf und Terminen. Die Bürokraft beantwortet sie zwischen anderen Aufgaben.
Das gibst du hinein
26 gesammelte Kundenfragen, davon 19 zum Beantworten, 5 zum Weiterleiten und 2, die der Chatbot nie beantwortet. Dazu 18 freigegebene Abschnitte aus Leistungsseiten, Einsatzgebiet und Ablauf einer Besichtigung und die Grenze: keine Preise und keine Terminzusagen.
So soll das Ergebnis aussehen
Von den 19 Fragen beantwortet er 17 richtig und nennt die Quelle. Bei zwei Fragen fehlt ein Abschnitt, etwa ob im Winter außen gestrichen wird. Er sagt das und nennt das Kontaktformular. Auf „Was kostet ein Wohnzimmer?“ nennt er keinen Preis, sondern erklärt, dass das Angebot nach der Besichtigung kommt.
Darauf kommt es an: Die beiden Lücken sind die nächsten Einträge in der Wissensbasis. Wichtiger als jede richtige Antwort ist, dass er bei Preisen und fehlendem Wissen nichts erfindet.
Diese Stolperstellen kannst du früh erkennen.
Aus allgemeinem Wissen antworten lassen
Ohne feste Wissensbasis erfindet ein Sprachmodell plausible Antworten zu Preisen, Fristen oder Leistungen, die du gar nicht anbietest. Weise den Chatbot an, nur aus freigegebenen Abschnitten zu antworten, und prüfe das mit Testfragen.
Interne Unterlagen in die Wissensbasis legen
Was in der Wissensbasis liegt, kann in einer Antwort landen. Kalkulationen, interne Preislisten, Kundendaten und Personalthemen gehören nicht hinein, auch nicht mit der Anweisung „nicht verraten“.
Keinen Weg zu einem Menschen anbieten
Ein Chatbot, der im Kreis antwortet, verärgert Kunden. Jede Sackgasse braucht einen sichtbaren Ausweg, und jemand im Betrieb muss die weitergeleiteten Anfragen auch bearbeiten.
04 · Prüfen
Bereit für den nächsten Schritt?
Hake ab, was du tatsächlich geprüft hast. Offene Punkte werden zu deinen nächsten Aufgaben.
