EU AI Act 2026: Was Selbstständige und Unternehmer jetzt wissen müssen
EU AI Act 2026: Was Selbstständige und Unternehmer jetzt wissen müssen
Der EU AI Act ist seit August 2024 in Kraft — und betrifft nicht nur Konzerne mit eigenen Rechtsabteilungen. Auch wenn du als Freelancer, Solopreneur oder mit einem kleinen Team arbeitest: Sobald du KI-Tools im Business einsetzt, gelten neue Regeln.
Die entscheidende Frage lautet: Darfst du deinen Kundenservice-Chatbot so weiterbetreiben? Wird dein Rechnungs-Workflow zur Compliance-Falle? Und was bedeutet die neue KI-Kennzeichnungspflicht konkret für deinen Alltag?
Die gute Nachricht: Die meisten KI-Anwendungen, die Selbstständige und kleine Unternehmen nutzen, fallen nicht in die höchsten Risikoklassen. Trotzdem entstehen ab 2025 konkrete Dokumentations- und Transparenzpflichten — und wer diese ignoriert, riskiert Bußgelder und den Verlust von Kundenvertrauen.
Laut IHK München ist KI-Kompetenz (AI Literacy) ab Februar 2025 Pflicht: Jeder, der mit KI-Systemen arbeitet, muss deren Funktionsweise verstehen. Das gilt für die Inhaberin eines Architekturbüros genauso wie für den Ein-Personen-Onlineshop. Gleichzeitig zeigt eine Bitkom-Studie 2024, dass über die Hälfte der deutschen Unternehmen bereits KI einsetzt — aber nur eine Minderheit klare Richtlinien dafür hat.
Die Lücke zwischen produktivem KI-Einsatz und belastbarer Dokumentation ist heute das größte Compliance-Risiko — besonders für Selbstständige und kleine Teams, die keine eigene Rechtsabteilung haben.
Genau hier setzt dieser Praxisleitfaden an. Du musst kein Anwalt sein — du brauchst eine klare Checkliste. Hier bekommst du sie: Welche Pflichten wann greifen, wie du typische Use Cases rechtskonform gestaltest und wie du Compliance-by-Design direkt in deinen Automatisierungs-Stack einbaust.
Was ist der EU AI Act? — Das Wichtigste in 60 Sekunden
Der EU AI Act (offiziell: Verordnung über Künstliche Intelligenz) ist das weltweit erste umfassende KI-Gesetz. Er regelt, wie KI-Systeme in der EU entwickelt und eingesetzt werden dürfen — und zwar unabhängig von der Unternehmensgröße.
Das bedeutet: Ob du ein Einzelunternehmen führst oder 20 Mitarbeitende hast — sobald du KI-Systeme einsetzt (auch ChatGPT, Midjourney oder einen n8n-Workflow mit OpenAI-Anbindung), bist du betroffen.
Der AI Act teilt KI-Systeme in vier Risikoklassen ein und definiert je nach Klasse unterschiedliche Pflichten. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Zeitplan 2026: Welche Pflichten gelten ab wann?
Der EU AI Act tritt stufenweise in Kraft. Für dich als Unternehmer sind drei Termine entscheidend:
Februar 2025 (bereits in Kraft)
Verbotene KI-Praktiken gelten ab sofort. Das betrifft manipulative Systeme, Social Scoring oder Emotionserkennung am Arbeitsplatz ohne Einwilligung. Für die meisten Selbstständigen kein Thema — aber wenn du mit Sentiment-Analysen in Kundengesprächen experimentierst, solltest du genau hinschauen.
AI Literacy Pflicht (KI-Schulungspflicht): Ebenfalls seit Februar 2025 musst du sicherstellen, dass alle Personen, die mit KI-Systemen arbeiten, über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Das gilt auch für dich selbst als Einzelunternehmer. KI-Weiterbildung ist keine Option mehr, sondern eine gesetzliche Anforderung.
August 2025
KI-Kennzeichnungspflicht wird scharf. Das betrifft vor allem Chatbots und generative KI im Kundenkontakt. Nutzer müssen klar erkennen können, dass sie mit einem KI-System interagieren. Bei generativen Inhalten (z. B. automatisch erstellten Angeboten oder Texten) muss die KI-Erzeugung transparent gemacht werden.
Ab 2026
Zentrale Vorgaben für Hochrisiko-KI-Systeme greifen. Das betrifft laut Anhang III des AI Act vor allem KI-Systeme, die über Einstellungen, Bewertungen oder Beförderungen entscheiden. Für bereits im Einsatz befindliche Systeme gelten teils Übergangsfristen bis 2029.
Realistischer Vorlauf: Wenn du heute produktive KI-Workflows betreibst, solltest du 3–6 Monate für Bestandsaufnahme, Risikobewertung und Dokumentation einplanen.
Risikoklassen: Wo steht dein Use Case?
Der AI Act unterscheidet vier Risikoklassen — und die meisten Anwendungen von Selbstständigen und kleinen Unternehmen fallen in die unteren Kategorien:
Minimal-/geringes Risiko
Interne Produktivitätstools, RAG-basierte Wissensbots, OCR-Rechnungsverarbeitung ohne automatisierte Entscheidungen. Hier gelten primär bestehende Vorschriften (DSGVO, GoBD), aber keine speziellen AI-Act-Pflichten.
Begrenztes Risiko mit Transparenzpflicht
Kundenservice-Chatbots, generative KI im Kundenkontakt, automatisierte Content-Erstellung. Ab August 2025 gilt: Deine Nutzer müssen erkennen können, dass sie mit KI interagieren.
Hochrisiko
Automatisierte Bewerbervorauswahl, Scoring, Performance-Bewertung, Kreditentscheidungen. Hier greifen umfassende Pflichten: Risikomanagementsystem, Datenqualität, technische Dokumentation, Protokollierung, menschliche Aufsicht.
Verboten
Manipulative KI, Social Scoring, unkontrollierte Emotionserkennung. Für Selbstständige in der Regel nicht relevant.
Praxis-Steckbrief 1: Kundenservice-Chatbots & Kontaktformular-Automatisierung
Einstufung: Begrenztes Risiko mit Transparenzpflicht (ab August 2025)
Typischer Einsatz: n8n-Workflow mit OpenAI-Integration, RAG-System auf Basis von Firmenwissen, WhatsApp-/Website-Chatbot für FAQ und Lead-Qualifizierung
Deine Pflichten als Unternehmer:
- KI-Kennzeichnungspflicht: Nutzer müssen klar erkennen, dass sie mit einem KI-System interagieren. Ein Hinweis beim Chat-Start reicht (z. B. „Dieser Chat wird von unserem KI-Assistenten unterstützt").
- Eskalationspfad: Es muss jederzeit möglich sein, zu einem Menschen zu wechseln.
- Datenschutz: Personenbezogene Daten (E-Mail, Name, Anfragen) unterliegen weiterhin der DSGVO — Einwilligung, Zweckbindung und Löschkonzepte sind Pflicht.
- Protokollierung: Dokumentation der Interaktionen für Qualitätssicherung und Beschwerdefälle.
Deine Compliance-Checkliste:
- Chat-Einstieg enthält KI-Hinweis
- „An Mensch weiterleiten"-Funktion ist jederzeit erreichbar
- Workflow loggt Interaktionen mit Zeitstempel
- Datenschutzerklärung deckt Chatbot-Nutzung ab
- Regelmäßige Stichproben der Bot-Antworten auf Qualität
Typische Fehler: Bot gibt sich als Mensch aus, keine Eskalationsmöglichkeit, Chat-Logs werden ohne DSGVO-Basis unbegrenzt gespeichert.
Technische Umsetzung: In deinem n8n-Workflow kannst du Compliance-Bausteine als wiederverwendbare Module anlegen: Ein Standard-Intro-Node sendet den Transparenz-Hinweis, ein Logging-Subworkflow schreibt jede Interaktion strukturiert in deine Postgres-Datenbank, und ein Eskalations-Trigger leitet bei bestimmten Keywords automatisch an dich oder dein Team weiter.
Praxis-Steckbrief 2: Rechnungsverarbeitung & OCR-Automatisierung
Einstufung: Geringes Risiko, aber hohe Schnittmenge mit GoBD, E-Rechnungspflicht und DSGVO
Typischer Einsatz: n8n-Workflow mit OCR-API, automatische Extraktion von Rechnungsdaten, Übertragung in Buchhaltungssoftware
Deine Pflichten als Unternehmer:
- Revisionssicherheit (GoBD): Die KI-gestützte Extraktion darf die Nachvollziehbarkeit nicht beeinträchtigen. Original-PDF muss unveränderbar archiviert werden, KI-Output muss als solcher erkennbar sein.
- Nachvollziehbarkeit: Welche OCR-Engine, welche Konfiguration, wie wurde validiert?
- Menschliche Kontrolle: Stichprobenprüfung oder Review-Schritt vor Buchung — besonders bei hohen Beträgen.
- Dokumentation: Verfahrensdokumentation für den gesamten Rechnungs-Workflow muss für die Steuerprüfung bereitstehen.
Deine Compliance-Checkliste:
- Original-PDFs werden unveränderbar archiviert
- OCR-Workflow dokumentiert Engine, Version und Confidence-Score
- Mindestens 5 % der Rechnungen werden manuell geprüft
- Abweichungen (Confidence < 85 %) triggern menschliche Prüfung
- Verfahrensdokumentation beschreibt KI-Einsatz und Kontrollmechanismen
Typische Fehler: OCR-Output wird ohne Review direkt gebucht, keine Dokumentation der KI-Extraktion, Original-PDFs werden nach Extraktion gelöscht.
Technische Umsetzung: Dein n8n-Workflow kann einen Confidence-Check-Node einbauen: Nur Extraktionen mit hoher Sicherheit (> 90 %) gehen automatisch weiter, alle anderen landen in einer Review-Queue. So entsteht ein AI-Act- und GoBD-konformer Prozess, der trotzdem 80–90 % der Fälle automatisiert.
Eine Mittelstand-Digital-Studie 2023 zeigt: Die größten Hemmnisse bei der KI-Einführung sind fehlendes Know-how und rechtliche Unsicherheit — genau hier setzt strukturierte Dokumentation an.
Praxis-Steckbrief 3: RAG-Wissenssysteme & Company GPT
Einstufung: Meist geringes Risiko, aber hohe DSGVO- und Datensicherheitsrelevanz
Typischer Einsatz: RAG-Stack (Vektordatenbank + LLM) für internes Wissensmanagement, Projekt- und Kundendokumentation, Schulungsinhalte
Deine Pflichten als Unternehmer:
- Datenkategorisierung: Welche Informationen werden verarbeitet? Kundendaten, Mitarbeiterdaten, Betriebsgeheimnisse? Jede Kategorie hat eigene Schutzanforderungen.
- Berechtigungskonzepte: Nicht jeder darf auf alle Wissensinhalte zugreifen. Row-Level-Security oder rollenbasierte Zugriffskontrollen sind Pflicht.
- Logging & Nachvollziehbarkeit: Wer hat wann welche Frage gestellt? Welche Dokumente wurden als Quelle herangezogen?
- Löschkonzepte: DSGVO-konforme Löschung muss auch in Vektordatenbanken sichergestellt werden.
- Lokale vs. Cloud-LLMs: Sensible Daten sollten nicht an externe APIs gesendet werden — lokale LLMs oder EU-Cloud-Lösungen sind hier die sicherste Variante.
Deine Compliance-Checkliste:
- Datenquellen sind kategorisiert (öffentlich, intern, vertraulich, personenbezogen)
- Zugriffsrechte sind über Row-Level-Security abgebildet
- Jede RAG-Abfrage wird mit User-ID, Timestamp und genutzten Quellen geloggt
- Prozess für DSGVO-Löschanfragen umfasst auch Vektordatenbank
- Sensitive Daten werden nur mit lokalen LLMs oder EU-Hosting verarbeitet
Typische Fehler: Alle Mitarbeitenden haben Zugriff auf alle Dokumente, keine Trennung von Test- und Produktivdaten, personenbezogene Inhalte werden an US-Cloud-APIs gesendet.
Ein Praxisprojekt eines Mittelstand-Digital-Zentrums zeigt: Durch RAG und On-Premise-Betrieb konnten sensible Dokumente verarbeitet werden, ohne sie an externe Anbieter zu übertragen. Ein Whitepaper der Universität Bayreuth (2025) betont die Bedeutung sozialer Akzeptanz neben technischer Effizienz bei KI-Implementierungen.
Praxis-Steckbrief 4: HR-Workflows — Wann wird es Hochrisiko?
Einstufung: Abhängig vom Einsatzzweck — von geringem Risiko bis Hochrisiko
Auch wenn du als Selbstständiger oder kleines Unternehmen selten hunderte Bewerbungen verwaltest, ist die Abgrenzung wichtig:
Geringes Risiko (unterstützende Tools):
- KI generiert Textentwürfe für Stellenausschreibungen
- Automatische Terminvorschläge für Bewerbungsgespräche
- Zusammenfassung von Bewerbungsunterlagen für menschliche Prüfung
Hochrisiko (automatisierte Entscheidungen):
- Automatisiertes Bewerber-Scoring mit Empfehlung/Ablehnung
- KI-basierte Leistungsbewertung von Mitarbeitenden
- Automatische Entscheidungen über Beförderungen oder Kündigungen
Laut Anhang III des EU AI Act sind KI-Systeme im Bereich Beschäftigung ausdrücklich als Hochrisiko eingestuft, wenn sie über Einstellung, Beförderung oder Beendigung von Arbeitsverhältnissen entscheiden.
Realistische Einschätzung für kleine Unternehmen: Die meisten Selbstständigen und kleinen Teams werden HR-Hochrisiko-KI in den nächsten Jahren nicht einsetzen — der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Sinnvoller: Unterstützende KI-Tools nutzen und die Entscheidung klar beim Menschen belassen.
AI Literacy: Warum KI-Weiterbildung jetzt Pflicht ist
Einer der am meisten unterschätzten Aspekte des EU AI Act ist Artikel 4: AI Literacy. Seit Februar 2025 gilt:
Jede Person, die mit KI-Systemen umgeht, muss über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügen.
Das bedeutet konkret: KI-Schulung ist nicht optional, sondern gesetzliche Pflicht. Das Keyword „ki schulung pflicht" ist keine Übertreibung — es beschreibt die Realität seit Februar 2025.
Was fällt unter AI Literacy?
- Grundverständnis, wie KI-Systeme funktionieren (nicht programmieren, aber verstehen)
- Wissen um Chancen und Grenzen der eingesetzten Tools
- Bewusstsein für Risiken (Bias, Halluzinationen, Datenschutz)
- Kenntnis der eigenen Pflichten als KI-Nutzer
Was bedeutet das für dich als Selbstständigen?
- Du musst selbst KI-kompetent sein — eine Selbsteinschätzung reicht
- Wenn du Mitarbeitende oder Freelancer hast, die KI nutzen, musst du deren KI-Weiterbildung sicherstellen
- Dokumentiere, welche Schulungen stattgefunden haben (Datum, Inhalt, Teilnehmer)
- Die Schulungspflicht gilt fortlaufend — bei neuen Tools oder Updates sind Auffrischungen nötig
Praktische Umsetzung der KI-Schulungspflicht:
- Bestandsaufnahme: Wer nutzt welche KI-Tools in deinem Unternehmen?
- Schulungsplan: Was muss jede Person über die genutzten Systeme wissen?
- Durchführung: Interne Schulungen, externe Kurse oder Selbststudium
- Dokumentation: Nachweis der Schulungen (z. B. in einer einfachen Tabelle)
Wie das Zukunftszentrum KI NRW zeigt, ist ein strukturierter Wissensaufbau der Schlüssel — sowohl für Compliance als auch für den produktiven KI-Einsatz.
Pflichten als „Deployer": Was der AI Act von dir als Nutzer verlangt
Die IHK Frankfurt stellt klar: Auch wer KI-Systeme nur einsetzt (sog. „Deployer"), hat Sorgfaltspflichten. Das bist du, sobald du ChatGPT, n8n-Workflows oder andere KI-Tools im Geschäftsalltag nutzt.
Deine konkreten Pflichten:
1. Nutzung nach Anleitung: Du musst KI-Systeme gemäß der Herstellerdokumentation einsetzen. Wenn der Anbieter sagt „nicht für automatisierte Entscheidungen nutzen", darfst du genau das nicht tun.
2. Monitoring: Regelmäßige Überprüfung, ob das System wie vorgesehen funktioniert — z. B. durch Stichproben oder automatisierte Qualitätschecks.
3. Logging: Protokollierung relevanter Ereignisse — wer hat wann welche Eingabe gemacht, welcher Output wurde erzeugt?
4. Meldung schwerwiegender Vorfälle: Wenn ein KI-System falsch entscheidet und dadurch Schaden entsteht (z. B. Diskriminierung, Datenschutzverletzung), musst du das dokumentieren und gegebenenfalls melden.
5. Menschliche Aufsicht: Bei Hochrisiko-Systemen muss sichergestellt sein, dass qualifizierte Personen das System überwachen und eingreifen können.
Aus unserer Praxis: Wie Synclaro Compliance umsetzt
Als KI-Automatisierungsdienstleister setzen wir bei Synclaro selbst die Standards um, die wir empfehlen. Das ist keine Theorie — sondern gelebte Praxis:
- Jeder Workflow ist dokumentiert: Von der Prompt-Version bis zur Datenquelle wissen wir exakt, was in Produktion läuft.
- Logging ist Standard: Jede KI-Interaktion wird mit Zeitstempel, Input und Output in unserer Supabase-Datenbank protokolliert.
- Transparenz gegenüber Kunden: Wenn KI im Spiel ist, kommunizieren wir das offen — das schafft Vertrauen statt Misstrauen.
- AI Literacy im Team: Alle Teammitglieder durchlaufen regelmäßige KI-Schulungen — dokumentiert und nachvollziehbar.
Das zeigt: KI-Compliance ist kein bürokratischer Kraftakt, sondern ein Qualitätsmerkmal. Und es ist machbar — auch mit einem kleinen Team.
Compliance-by-Design: Technische Umsetzung im Alltag
Die beste Compliance ist die, die du nicht manuell nacharbeiten musst. Wenn Logging, Rechtekonzepte und Dokumentation direkt in deinen KI-Stack eingebaut sind, entstehen konforme Prozesse automatisch.
Konkrete Bausteine:
1. Logging-Layer in n8n-Workflows: Jeder kritische Workflow sollte einen Standard-Logging-Subworkflow aufrufen — Zeitstempel, User-ID, Input, Output und verwendetes KI-Modell werden strukturiert in eine Datenbank geschrieben.
2. Rechte- und Rollenkonzepte: Row-Level-Security erlaubt es, Zugriff auf Datenzeilen pro Nutzer/Rolle zu steuern. Beispiel RAG-System: Nur Nutzer mit HR-Rolle sehen Mitarbeiterdaten.
3. Versionierung von Prompts und Konfigurationen: Wenn du heute deinen ChatGPT-Prompt änderst oder Parameter anpasst, sollte diese Änderung versioniert sein (z. B. über Git). Bei Audits kannst du so nachweisen, welche Konfiguration wann aktiv war.
4. Trennung von Test- und Produktivdaten: Niemals mit echten Kundendaten entwickeln. Arbeite in einer separaten Test-Datenbank mit anonymisierten Daten.
5. EU-Cloud oder On-Premise für sensible Daten: Wie das Zukunftszentrum KI NRW zeigt, können lokale LLMs sensible Daten verarbeiten, ohne sie an US-Cloud-Anbieter zu übertragen.
6. Automatisierte Compliance-Checks: Ein n8n-Workflow kann täglich prüfen: Sind alle Logs vollständig? Gibt es ungewöhnliche Fehlermuster? Bei Auffälligkeiten wird automatisch eine Benachrichtigung ausgelöst.
Die 5 häufigsten Fehler — und wie du sie vermeidest
1. „Ich nutze nur ChatGPT, das betrifft mich nicht." Falsch. Wenn du ChatGPT für Kundenkommunikation, Angebotserstellung oder HR-Texte nutzt, unterliegt das ab August 2025 der KI-Kennzeichnungspflicht. Und: Wenn du personenbezogene Daten eingibst, gilt die DSGVO.
2. „Dokumentation mache ich später." Das ist der teuerste Fehler. Wenn dein Workflow über Monate gewachsen ist und niemand mehr weiß, welche Prompts und APIs drin stecken, wird nachträgliche Dokumentation zum Albtraum. Besser: Von Anfang an jede Änderung festhalten.
3. „Alles in der Cloud, das ist sicher." Nicht automatisch. US-Cloud-Anbieter unterliegen dem CLOUD Act — bei sensiblen Daten solltest du EU-Hosting oder On-Premise-Lösungen bevorzugen. Auch in der Cloud musst du Zugriffsrechte und Logging selbst konfigurieren.
4. „Mein Bewerbertool ist nur eine Empfehlung." Vorsicht. Wenn die KI-Empfehlung faktisch nie überstimmt wird, gilt das System als automatisierte Entscheidung — und damit als Hochrisiko.
5. „Datenschutz kümmert sich um alles." Der Datenschutzbeauftragte ist Berater, nicht Umsetzer. Die operative Verantwortung für AI-Act-Compliance liegt bei dir als Unternehmer.
Eine Bitkom-Studie 2024 zeigt: Immer mehr Unternehmen führen interne KI-Richtlinien ein. Wer jetzt handelt, gehört zu den Vorreitern.
FAQ: Die wichtigsten Fragen zum EU AI Act für Selbstständige
Was ist der EU AI Act?
Der EU AI Act ist das weltweit erste umfassende KI-Gesetz. Er regelt seit August 2024, wie Künstliche Intelligenz in der EU entwickelt und genutzt werden darf. Das Gesetz teilt KI-Systeme in vier Risikoklassen ein und definiert je nach Klasse unterschiedliche Pflichten — von Transparenzhinweisen bis hin zu umfassenden Dokumentationspflichten.
Bin ich als Selbstständiger vom AI Act betroffen?
Ja. Der EU AI Act gilt unabhängig von der Unternehmensgröße. Sobald du KI-Systeme im geschäftlichen Kontext einsetzt — und dazu zählt bereits die Nutzung von ChatGPT für Kundenkommunikation oder ein KI-gestützter Chatbot auf deiner Website — bist du betroffen. Du giltst dann als „Deployer" (Betreiber) und hast konkrete Sorgfaltspflichten.
Was muss ich als Unternehmer dokumentieren?
Das hängt von der Risikoklasse deiner KI-Anwendungen ab. Bei geringem Risiko (z. B. interner KI-Assistent) reicht eine einfache Übersicht, welche Tools du einsetzt. Bei begrenztem Risiko (z. B. Chatbots) brauchst du Nachweise über Transparenzhinweise und Logging. Bei Hochrisiko (z. B. automatisierte HR-Entscheidungen) wird eine vollständige technische Dokumentation, ein Risikomanagementsystem und Bias-Tests verlangt.
Was ist AI Literacy und warum ist sie Pflicht?
AI Literacy (KI-Kompetenz) beschreibt das Verständnis darüber, wie KI-Systeme funktionieren, welche Chancen und Risiken sie haben. Seit Februar 2025 ist AI Literacy gesetzliche Pflicht (Artikel 4 des EU AI Act). Jeder, der beruflich mit KI arbeitet, muss ein ausreichendes Kompetenzniveau nachweisen können. Für dich als Unternehmer bedeutet das: Du brauchst selbst KI-Kompetenz — und musst sie bei deinen Mitarbeitenden sicherstellen und dokumentieren.
Welche Strafen drohen bei Verstößen?
Der EU AI Act sieht erhebliche Bußgelder vor: Bis zu 35 Millionen Euro oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes bei Einsatz verbotener KI-Praktiken. Bei Verstößen gegen andere Pflichten bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des Umsatzes. Für Selbstständige und kleine Unternehmen sind die realistischeren Risiken aber: Reputationsschäden, Vertrauensverlust bei Kunden und teure Nacharbeit bei Prüfungen.
Gilt der AI Act auch für ChatGPT-Nutzung im Unternehmen?
Ja. Wenn du ChatGPT geschäftlich nutzt — z. B. für Kundenkommunikation, Angebotserstellung oder Content-Erstellung — bist du als Deployer betroffen. Ab August 2025 musst du Nutzer darüber informieren, wenn KI-generierte Inhalte im Spiel sind (KI-Kennzeichnungspflicht). Außerdem darfst du keine personenbezogenen Daten ohne DSGVO-Grundlage eingeben und musst die Nutzungshinweise des Anbieters beachten.
Brauche ich einen externen Auditor?
Nicht zwingend. Für die meisten Selbstständigen und kleinen Unternehmen reicht eine strukturierte Selbstbewertung (Checklisten, interne Reviews). Bei Hochrisiko-Systemen kann ein externer Audit sinnvoll sein — aber das betrifft die wenigsten kleinen Betriebe.
Wie lange müssen Logs aufbewahrt werden?
Der AI Act nennt keine feste Frist. Orientiere dich an der DSGVO (so kurz wie möglich) und der GoBD (10 Jahre bei steuerrelevanten Belegen). Für Chatbot-Logs sind 6–12 Monate oft sinnvoll.
Dein Handlungspfad: So startest du jetzt
Monat 1: Bestandsaufnahme & Quick-Wins
- Welche KI-Systeme/Workflows setzt du ein? (Übersicht erstellen)
- Risiko-Erstbewertung nach Use Cases (Checklisten aus diesem Artikel nutzen)
- Quick-Win: Chatbot-Transparenzhinweis ergänzen, bestehende Logs strukturieren
- AI Literacy Selbstcheck: Verstehst du die Grundlagen der Tools, die du nutzt?
Monat 2–3: Dokumentation & Grundstruktur
- Verfahrensdokumentation für kritische Workflows erstellen
- Verantwortlichkeiten definieren (Wer kümmert sich um was?)
- KI-Schulungen für dich und dein Team durchführen und dokumentieren
Monat 4–6: Technische Nachrüstung
- Logging-Layer in Workflows einbauen
- Rechtekonzepte in Datenbanken implementieren
- Trennung Test-/Produktivumgebung sicherstellen
Monat 7–12: Optimierung & Audit-Readiness
- Review-Prozesse etablieren
- KI-Register pflegen (zentrale Übersicht aller Systeme)
- Monitoring-Routinen aufsetzen
Fördermittel nutzen: Viele Bundesländer bieten über Mittelstand-Digital-Zentren kostenlose Erstberatungen und bezuschusste Umsetzungsprojekte an. Ein Gespräch mit deiner zuständigen IHK oder Wirtschaftsförderung lohnt sich.
Compliance ist kein Hindernis — es ist dein Wettbewerbsvorteil
Während viele Unternehmer KI noch undokumentiert einsetzen, kannst du dich jetzt als professioneller, rechtssicherer Partner positionieren:
- Gegenüber Kunden: „Unsere KI-Prozesse sind AI-Act-konform dokumentiert."
- Gegenüber Banken/Investoren: „Wir haben klare Governance-Strukturen für KI."
- Gegenüber Mitarbeitenden: „Ihr wisst, wann und wie KI eingesetzt wird — transparent und fair."
- Gegenüber Aufsichtsbehörden: „Wir können jederzeit nachweisen, wie unsere Systeme funktionieren."
Das RKW Baden-Württemberg betont: Neben Produktivitätsgewinnen sind klare Prozesse, Rollen- und Rechtekonzepte sowie Monitoring entscheidend für Akzeptanz und Rechtssicherheit.
Der EU AI Act ist kein Bürokratie-Monster — er ist die Chance, deinen KI-Einsatz von Ad-hoc-Experimenten zu professionellen, skalierbaren Systemen weiterzuentwickeln.
Dein nächster Schritt: Vom Wissen zum Handeln
Du hast jetzt den Überblick — welche Pflichten wann greifen, welche Checklisten du brauchst und wie du Compliance technisch umsetzt. Jetzt geht es darum, vom Wissen ins Handeln zu kommen.
Kostenloses Webinar: EU AI Act für Selbstständige In unserem kostenlosen Webinar zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du KI-Compliance in deinem Unternehmen umsetzt — praxisnah, ohne Juristendeutsch, mit konkreten Templates zum Sofort-Anwenden.
Jetzt zum kostenlosen Webinar anmelden →
Du willst direkt loslegen? In einem kostenlosen Erstgespräch analysieren wir gemeinsam deine aktuelle KI-Landschaft, identifizieren Compliance-Lücken und finden heraus, welcher Weg für deine Situation der richtige ist.
Kostenloses Erstgespräch buchen →
Quellen & weiterführende Links:
- EU AI Act — Offizielle Implementierungs-Timeline
- EU AI Act — Anhang III: Hochrisiko-KI-Systeme
- IHK München — AI Act Ratgeber für Unternehmen
- IHK Frankfurt — EU AI Act Pflichten für Deployers
- Bitkom — KI in deutschen Unternehmen 2024
- Mittelstand-Digital — KI-Studie 2023
- Universität Bayreuth — RAG & Akzeptanz in Unternehmen
- Zukunftszentrum KI NRW — Lokale LLMs für Wissensmanagement
- RKW Baden-Württemberg — RAG als Effizienzbooster
- bidt — Themenmonitor Wirtschaft & Arbeit
Über den Autor
AI Content Team
Mehr zum Thema Prozessautomatisierung
Lokale KI: Datenschutzkonform ohne Cloud — Leitfaden für Selbstständige
Lokale KI-Modelle datenschutzkonform betreiben: On-Premise-LLMs für Selbstständige und kleine Unternehmen. DSGVO-konform, ohne Cloud-Abhängigkeit.
Prozesse digitalisieren: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Unternehmen
Prozesse digitalisieren leicht gemacht: Praxisanleitung mit konkreten Schritten, Tools und Beispielen für KMU. Jetzt Digitalisierung starten!
E-Rechnung Pflicht 2026: So automatisierst du deine Eingangsrechnungen
E-Rechnung Pflicht 2026 fuer Selbststaendige: Eingangsrechnungen automatisch verarbeiten mit n8n, ZUGFeRD und DATEV. Schritt-fuer-Schritt-Anleitung.
Bereit, KI in Ihrem Unternehmen einzusetzen?
In einem kostenlosen Erstgespräch analysieren wir Ihre Anforderungen und zeigen konkrete Möglichkeiten für KI-Automatisierung in Ihrem Unternehmen.